Warum Hundeerziehung manchmal nicht klappt – 5 häufige Ursachen

Einleitung

Hallöchen alle miteinander und schön, dass Du hier bist. Wer kennt es nicht? Der Hund hört bei einem selbst super, sobald jemand anderes übernimmt, ist er „wie auf Werkseinstellungen zurückgesetzt“. Bevor es in den Freilauf geht, wird viel gefiept und vielleicht sogar gebellt. „Wir waren doch jetzt schon 2h joggen und Fahrrad sind wir auch noch gefahren – wieso ist mein Hund immer noch nicht müde?“ Wenn das Problematiken sind, die Dir bekannt vorkommen, lehn dich zurück, schnapp Dir ein Spaßgetränk – dieser Beitrag hier ist für Dich.

 

Es gibt 5 Dinge, die viele Hundehalter, oft unbewusst, machen, die davon abhalten, ein entspanntes Miteinander zu haben.

1. Unklare oder wechselnde Regeln

Mal ist es dem lieben Vierbeiner gestattet aufs Sofa zu hüpfen, an anderen Tagen darf er dies nicht mehr. Beim Partner darf er es gar nicht, bei Dir immer, Deine Mama freut sich so darüber, wenn der Hund mit ihr auf dem Sofa kuschelt, aber Dein Papa möchte die Hundehaare nicht auf der Couch verteilt haben. Deine Mama ruft ihn zu sich, Dein Papa schimpft vielleicht sogar mit dem Vierbeiner. Es ist immer die gleiche Situation – ein Hund, ein Sofa und das Bedürfnis, darauf sitzen zu dürfen. Warum ist es nun problematisch für das Tier? Es könnte sich doch schlichtweg auf die Bedürfnisse aller Beteiligten einstellen? Leider nein. Hunde lernen vor allem durch Wiederholungen und Klarheit. Diese ist bereits ab dem Zeitpunkt nicht gegeben, wo Person A das Sitzen auf dem Sofa erlaubt, Person B es aber unterbinden möchte. Versucht euch zu einigen, vielleicht einen Kompromiss zu finden in Form von „mit einer Decke, die nur für den Vierbeiner bestimmt ist, darf er sich auf die Couch legen, ansonsten bleibt er auf dem Boden“. Diese Regel kann von jedem problemlos angeführt und durchgesetzt werden. Im Kopf des Hundes gibt es kein „vielleicht ja, vielleicht nein“ mehr, die Aufregung verschwindet und Klarheit ersetzt sie. „Wenn die Decke auf dem Sofa liegt, darf ich dahin. Ist sie nicht da, darf ich es nicht“. Natürlich wird der Hund diese Regel versuchen zu umgehen. Hier ist es wichtig, dass mit liebevoller Strenge Einhalt geboten wird, um die Grenze langfristig zu etablieren.

2. Zu viel Aufmerksamkeit für unerwünschtes Verhalten

Dein Hund bellt einen anderen an, der gerade im Wald an euch vorbeigeht. Natürlich ist es Dein erster Instinkt, zu schimpfen „Was soll das denn?“, „Ruhe jetzt!“. Viel wichtiger wäre es hier, nach der Ursache zu suchen – ist es Unsicherheit, Aggression, erlerntes Verhalten. Zudem leben Hunde nach dem Motto „es gibt keine schlechte Aufmerksamkeit“ – Hauptsache, sie wird gegeben. Gleiches gilt beispielsweise auch für Hunde, die andere Menschen anspringen. Solange mit ihnen geredet wird, denken sie, sie haben etwas richtig gemacht. Dein Fokus sollte nie nur auf dem Bellen oder dem Anspringen (sprich: dem unerwünschten Verhalten) liegen. Ein Mensch, der nur in die Konversation mit seinem Hund geht, sobald er etwas falsch macht, bringt ihm dadurch bei, dass die Aufmerksamkeit nur in negativen Situationen kommt, ergo alles andere, was er macht, „falsch“ ist. Viel wichtiger wäre es, zu etablieren, was denn jetzt „gutes“, erwünschtes Verhalten ist und Deinen Hund entsprechend dafür zu belohnen. Ruhe ist nicht selbstverständlich, sie sollte belohnt werden. Nicht an der Leine zu ziehen ist nicht selbstverständlich, sondern sollte belohnt werden. Gerne darf das erwünschte Verhalten nicht nur durch Leckerlis, sondern auch durch freundlich klingende, kurze Markerwörter belohnt werden. Beispiele hierfür wären „Yes!“, „Gut!“, „Toll!“, „Klasse!“ & „Super!“.

3. Zu hohe Erwartungen

Der Welpe ist eingezogen. Jetzt ist es das Ziel, dass er am Besten schon nach 1 Woche stubenrein ist und nach 2 Wochen soll er zuverlässig alleine zu Hause bleiben. Ein Junghund, der mitten in der Pubertät steckt, soll bitte ohne möglichst großen Aufwand (in diesem Fall Training), perfekt abrufbar sein, egal ob aus dem Spiel heraus oder im Wald, wo ihm das Wild vor der Nase herumspringt. Ein Hund soll auch in schwierigen Situationen funktionieren, auch wenn er noch nie wirklich gelernt hat, wie man sich dort selbst reguliert, was erwünschtes Verhalten ist und was nicht. Ich formuliere das alles bewusst so überspitzt, weil ich schon oft Menschen im Training begegnet bin, die solche Auffassungen hatten. Warum sind sie aber für den Vierbeiner so unfair? Wie beim Menschen auch, benötigt ein Hund Zeit, um Dinge zu (er-)lernen. Es gibt gute Tage und auch schlechte, wenn bspw. läufige Hündinnen in der Nachbarschaft ihre Runden drehen, wenn es zu heiß ist oder wenn der Tag davor schon mit Training gefüllt war. Hunde brauchen nach anstrengenden Tagen IMMER mindestens einen Tag Ruhe, um Neues verarbeiten zu können. Außerdem durchläuft der Vierbeiner, ebenso ähnlich wie der Mensch, auch verschiedene Lebensphasen. Man muss berücksichtigen, dass ein Welpe nach der Trennung von Mutter und Geschwistern eine gewisse Zeit braucht, um im neuen zu Hause anzukommen. Ein Junghund entdeckt so langsam einen größeren Radius beim Spazierengehen, weil die Gerüche alle wunderbar sind. Die Pubertät sorgt dafür, dass gewisse Synapsen ausfallen und erst einige Wochen oder Monate später wiederkommen. Dies sollte man alles berücksichtigen – ein Hund ist keine Maschine und auch der größte „will-to-please“ braucht Ruhe um zu verarbeiten. Auch Rückschritte gehören zum Lernen dazu oder konntest Du nach 3 Wiederholen das kleine und große 1×1 schon perfekt? Wenn Du merkst, dass im Training alles mehr schlecht als recht klappt, gehe einen Schritt zurück. Das Platz will bspw. nicht so richtig klappen, versuche es ein paar Mal. Wenn es nicht klappt, beende das Training mit etwas Positivem, was schon gut klappt (bspw. das Sitzmachen), damit Dein Hund das Training nicht nur mit Frustration verknüpft.

4. Nur reagieren statt vorbeugend zu handeln

Ich habe bisher schon oftmals bemerkt, dass Menschen erst handeln, wenn das Problem sich bereits eingeschlichen hat. Es wird erst an der Leinenführigkeit gearbeitet, wenn der Hund bereits stark daran zieht. Es wird erst eingegriffen, wenn der Hund bereits andere bereits andere verbellt. Natürlich muss man manche Situationen entstehen lassen, um deutlich zu machen, welches Verhalten nicht erwünscht ist. Ist der Vierbeiner aber erstmal in seiner „Ekstase“ angekommen, wird es schwer, das Verhalten richtig zu unterbinden. Bevor es zu Problemen bei der Leinenführigkeit kommt, hätte im Vorfeld schon etabliert werden können, was an der Leine passieren soll und was nicht. Es macht Sinn, den Hund immer mal wieder beim normalen Spaziergang zu sich zu rufen und ohne ersichtlichen Grund an die Leine zu nehmen. Die Leine wird so als etwas Selbstverständliches etabliert und nicht etwa als etwas Negatives, was immer nur zum Einsatz kommt, wenn der andere Hund bereits auf einen zukommt und den eigenen „einschränken soll“.

Du solltest in der Lage dazu sein, frühzeitig zu erkennen, wann Dein Hund erste Anzeichen von Anspannung zeigt und dementsprechend handeln. Fängt er erst einmal an zu bellen, ist die Anspannung oftmals bereits zu hoch, um vernünftig trainieren zu können. Geht frühzeitig auf die Seite, lenke frühzeitig die Aufmerksamkeit Deines Hundes wieder auf Dich, geht gemeinsam dadurch als Team.

5. Zu wenig Ruhe und Erholung

Ein Mythos in der Hundebesitzerbubble ist leider nach wie vor: „Ein ausgelasteter Hund braucht immer mehr Action“. Hierzu sage ich ganz klar: falscher könnte es nicht sein. Ich habe selbst einen Australian Shepherd. Natürlich würde sie den ganzen lieben langen Tag Bällen hinterherfetzen, mit den Kindern durch den Garten toben oder auch mit mir wandern. Hier ist es aber am Menschen selbst, den Zeitpunkt des Stoppens für den eigenen Hund zu finden. Hunde brauchen nachweislich bis zu 18h Schlaf am Tag, die dauerhafte Beschäftigung kann zu ungewünschten Nebenaspekten, wie dauerhafter Unruhe, Stress und einer niedrigen Frustrationstoleranz im Allgemeinen führen. Auf folgende Anzeichen kannst Du achten, wenn Du erkennen willst, ob Dein Hund überfordert ist: dauerhafte Unruhe, schlechte Konzentration und überdrehtes Verhalten. Um dies zu vermeiden, plane bewusste Ruhezeiten ein, wo einfach mal absolut gar nichts passiert. Wenn dies Deinem Hund schwerfällt, nutze als Hilfsmittel bspw. die (Haus-)Leine. Des Weiteren solltest Du nicht jeden Spaziergang zum Training machen. Manchmal ist die beste Auslastung die, die mal „nur“ aus Schnüffeln und Erkunden besteht.

Mein Fazit

Es gibt nicht DEN perfekten Hundehalter – wir alle machen Fehler, egal ob groß oder klein. Wichtig ist es, den Fehler NIE bei Deinem Hund zu suchen, denn dieser ist immer nur so gut wie sein Besitzer. „Fehler sind Helfer“, sagt meine Stieftochter immer so schön und das hat sie bereits in der zweiten Klasse gelernt.

Wenn Du Dich hier in dem Text wiedergefunden hast und nicht weißt, wie Du weiterkommen sollst – melde Dich gerne bei mir.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Pilar von Pfotenphilosophie ♡