Der Welpe zieht ein und mit ihm auch eine große Verantwortung. Ein neues Familienmitglied möchte richtig willkommen geheißen werden. Die Betonung liegt bei richtig, da bereits die ersten Tage sehr prägsam für den jungen Hund sind. Im heutigen Blogbeitrag möchte ich Dich ein bisschen durch die Welpenwelt führen – wir beachten dabei das Vorher, die Ankunft und die darauffolgenden Wochen insbesondere. Viel Spaß beim Lesen!
Vor dem Einzug – ist ein Welpe wirklich gut durchdacht?
Der Traum vom eigenen Hund ist bei vielen Menschen allgegenwärtig und das natürlich verständlicherweise. Dennoch sollte man sich niemals einen Welpen oder Hund generell unüberlegt oder gar aus Mitleid zulegen. Wenn Du gerade überlegst Dir einen Welpen anzuschaffen, habe ich hier eine kleine Checkliste mit Guidefragen vorbereitet, die Du Dir vorher stellen solltest.
Passt ein Welpe zu meinem Alltag?
Wenn Du arbeitsbedingt mehrere Stunden von morgens bis abends unterwegs bist und keine Möglichkeit hast, den Welpen zu umsorgen, ist es keine gute Idee, einen zu adoptieren. Gerade in den ersten Lebensmonaten benötigen die kleinen Hunde viel Aufmerksamkeit, Stubenreinheit & Co müssen sich etablieren und es muss möglich sein, den Welpen bestmöglich in den Alltag zu integrieren. Nein, ein Welpe kann nicht von Tag 1 bereits mehrere Stunden alleine bleiben.
Wie viel Zeit braucht ein Welpe tatsächlich?
Welpenfrauchen oder Welpenherrchen zu sein ist nach seinem Einzug erstmal ein Vollzeitjob. Alle 2 bis 3 Stunden müssen Pipipausen eingelegt werden, ansonsten nach jedem Spielen oder nach dem Fressen. Gefüttert werden muss er drei bis fünfmal täglich. Ruhepausen zum Verarbeiten müssen eingelegt oder, je nach Rasse, bewusst von Anfang an etabliert werden. Da bleibt erstmal wenig Zeit für andere Dinge.
Ist es mir möglich ausreichend Urlaub um den Einzug herum einzuplanen?
Natürlich soll das bisher Beschriebene nicht bedeuten, dass man als Arbeitnehmer dem Hund nicht gerecht werden kann. Dennoch solltest Du Dir vorher die Frage stellen, ob es möglich ist 3 bis 4 Wochen ab dem Zeitpunkt des Einzugs Deines Welpen Urlaub zu nehmen. In dieser Zeit kann der oder die Kleine vernünftig bei Dir ankommen, die ersten kleinen Abenteuer erleben und das neue Leben begrüßen.
Wer kümmert sich um Deinen Welpen, wenn Du arbeiten gehst?
Der Urlaub ist vorbei. Ihr habt euch super aneinander gewöhnt. Der kleine Racker hat sich gut eingelebt und sich in den neuen Alltag eingefügt. Jetzt steht der erste Arbeitstag vor der Tür. Bestenfalls kannst Du den Kleinen auf die Arbeit mitnehmen. Wenn dies nicht der Fall ist, solltest Du Dir frühzeitig Gedanken darüber machen, wer während Deiner Arbeitszeit aufpasst. Mama, Papa, Geschwister, die beste Freundin, der beste Freund. Achte darauf, wem Du diese Aufgabe wirklich zutraust und stelle sicher, dass Dein Welpe diese Person bereits kennt und, dass die beiden sich gut verstehen.
Kann ich mir einen Welpen wirklich leisten?
Gerade Kleinhunde neigen dazu Dinge zu fressen, die sie nicht fressen sollten. Sie sind sehr überschwänglich und dabei ist schneller mal ein Riss in der Pfote entstanden als man gucken kann. Ebenso kann auch die Lieblingsvase gut und gerne mal in Mitleidenschaft gezogen werden. Impfungen müssen aufgefrischt oder auch zum ersten Mal gemacht werden. Tierarztbesuche sind teuer und häufen sich mit einem Welpen schneller als einem lieb sein kann. Ich empfehle an der Stelle deshalb immer wärmstens, direkt nach dem Einzug eine Tierkrankenversicherung abzuschließen. Darüber hinaus stehen natürlich auch immer wiederkehrende Kosten an. Hochwertiges Hundefutter, Spielsachen, Beschäftigungsmittel, Leine, Halsband, Geschirr. Gerade aus den „Anziehsachen“ wachsen Welpen sehr schnell raus, weshalb diese anfangs öfter neu gekauft werden müssen.
Der ist süß – aber passt er auch zu mir?
Wähle Deinen Welpen stets nach Deinem Lebensalltag aus – NIEMALS nur anhand des Aussehens. Wenn Du ein Fan von kleinen Spaziergängen bist und auch sonst eher entspannt durchs Leben stiefelst ist ein Border Collie oder Australian Shepherd die falsche Rasse für dich. Ebenso solltest Du Dir als sehr aktive und reisefreudige Person, die dreimal im Jahr in den Wanderurlaub fährt, keine Französische Bulldogge zulegen. Überlege Dir vorher gut, was Du dem Hund bieten kannst und möchtest und treffe Deine Auswahl mit Bedacht.
Welpen sind von Natur aus neugierig. Der ein oder andere Schnürsenkel oder das geliebte Sofakissen können darunter durchaus auch mal kaputtgehen. Hier sind die wichtigsten Sachen, auf die Du achten solltest, dass diese NICHT in die Fänge des kleinen Raubtieres geraten.
Kabel. Egal ob es das Ladekabel hinter dem Sofa oder dem Nachttisch ist – es stellt eine Gefahr für den Welpen da, sollte er die Möglichkeit haben, daranzukommen. Verstecke sie gut.
Giftige Pflanzen. Nein, Welpen können nicht abschätzen, welche Pflanze giftig und welche es nicht ist. Für die nächsten Wochen und Monate wirst Du erstmal auf Gierlinde die geliebte Monstera verzichten müssen.
Kleine Gegenstände. Besonders wenn Du (Klein-)Kinder hast gilt nach dem Einzug des Welpen äußerste Vorsicht vor deren Spielzeugautos und Barbiepuppen. Werden Kleinteile abgebissen oder gefressen kann dies zu Magenverschlüssen oder Erstickung führen.
Medikamente und Reinigungsmittel. Ja, wenn der Kleinhund einzieht muss viel geputzt werden. Räume die Sachen danach bitte gut verschlossen weg, sodass keine Verschluckungsgefahr entsteht.
Jetzt hast Du Dir einen groben Überblick verschaffen können über Dinge, die wichtig und zu beachten sind. Leider kursieren gerade in den sozialen Netzwerken und auf angeblichen Ratgeberwebsites auch sehr viel Schwachsinn, den Du definitiv nicht für Deinen Welpen kaufen musst. Anbei ein paar Beispiele.
Beschränke Deinen Welpen auf 2 bis 3 richtig gute, welpengeeignete Spielzeuge. Nein, er braucht keinen ganzen Korb voll. Zeige ihm ebenso von Anfang an, dass drinnen kein Ort zum Spielen ist und wenn ihr fertig seid, räume das Spielzeug weg, damit Dein Hund nicht in Versuchung kommt, nochmal aufzudrehen.
Natürlich ist es in Ordnung das Futter in einem angemessenen Zeitraum zu ändern und ebenso ist es okay verschiedene Proteinquellen zu verfüttern, das würde ich sogar empfehlen, um Allergien zu vermeiden. Achte dennoch darauf, dass das Futter immer von der gleichen Marke kommt. Da jede Marke andere Zusatzstoffe benutzt, kann es zu Magenbeschwerden kommen, auch wenn man bspw. die gleiche Proteinquelle füttert, nur eben einer anderen Marke.
Nein, Geweih, Rinderhuf und Olivenholz sind KEINE geeigneten Kauartikel – weder für einen Welpen, noch für einen Erwachsenenhund. Nein, auch nicht für Deinen Cane Corso oder Pitbull, der eine hohe Beißkraft hat. Geweih und Hufe sind schlichtweg härter als der Hundezahn selbst und können zu Rissen im Zahn führen. Durch diese können Bakterien ungehindert ans Zahnfleisch gelangen und schmerzhafte Entzündungen bis hin zur Zahn OP sind das Ergebnis davon. Und ja, auch Olivenholz splittert/fasert, ist zu hart für die Zähne und demnach nicht geeignet.
Dein Welpe wird nicht bestraft bei einem Pipiunfall in der Küche. Er trägt kein Elektrohalsband zur Erziehung. Er wird nicht geschlagen, getreten oder sonst irgendwie mit Schmerzen versehen. Leider gibt es heute immer noch oftmals die Annahme, man müsse sich dem Hund gegenüber beweisen, der „Alpha“ sein und Anbrüllen sei kein Problem. Ganz im Gegenteil: es schwächt eure Bindung und wird späteres Training enorm erschweren. Auch Würge-/Stachelhalsbänder, Halti und eine „Der muss da jetzt durch“ Attitüde sind NICHT angebracht. Niemals.
„Ein Welpe muss jeden Tag neue Abenteuer erleben“ – nein, ganz im Gegenteil. Es ist wichtig kleine Runden mit dem Junghund zu gehen, ihm die Umgebung zu zeigen, ihm beizubringen, wo man sich lösen sollte. Dies sollte maximal 15 bis 30min des gesamten Tages in Anspruch nehmen. Ebenso kann ein aufgeweckter Welpe den Anschein erwecken, dass er nicht müde zu kriegen ist. Gerade das dauerhafte „Beißen“, Fiepen, Bellen, nicht zur Ruhe kommen wollen ist ein ganz klares Anzeichen für einen überforderten Welpen, der nicht abschalten und schlafen kann, da er durch die Dauerbespaßung/-bespielung immer wieder vom Ziel Schlafen abgehalten wird.
Sozialisierung bedeutet nicht:
„Der Welpe muss jeden Menschen, Hund und jede Situation kennenlernen.“
Sondern, dass Dein Hund verschiedene Umweltreize kennenlernt. Das ruhige Feld hinterm Haus, die Stadt wo Straßenbahn und Autos sich die Wege teilen, Gras als Untergrund genau so wie die Straße, den Garten, Erde, Sand, etc. Menschen unterschiedlichen Alters: vom Kleinkind bis zum pensionierten Senior. Achtung: Kennenlernen bedeutet NICHT, dass jeder Mensch Deinen Welpen nach Belieben anfassen darf. Sozialisierung heißt etwas sehen, um es zu begreifen. Lass ihn Geräusche wahrnehmen, die von Fahrzeugen, Menschen, Gartengeräten, etc. ausgehen. Gewöhne Deinen Welpen langsam an Geschirr und Leine. Was beim ersten Mal nicht perfekt klappt, wird etwas später erneut versucht. Bemühe Dich ebenfalls darum, den Tierarzt frühstmöglich als Etwas weitestgehend Positives zu verknüpfen. Nein, Dein Hund muss sich nicht über den Besuch beim Tierarzt freuen, eine gewisse Neutralität und Mitmachbereitschaft sollten trotzdem immer gegeben sein. Halte die Aufenthalte kurz und knackig und dann geht’s wieder ab nach Hause zum Schlafen, um das Neue richtig verarbeiten zu können. Die Faustregel hier ist: Dosiert + positiv + ohne Überforderung. Abschließend noch ganz wichtig: Nicht jeder Hund muss begrüßt werden, schon gar nicht an der Leine (Leine = euer Safespace). Nicht jeder Mensch muss Deinen Welpen anfassen. Es muss erlernt werden, Distanz auszuhalten, ohne überall direkt hinzumüssen.
Qualität vor Quantität. Gleichaltrige Welpen in der Hundeschule oder souveräne erwachsene Hunde eignen sich ideal, um Deinem Welpen zur Seite zu stehen. Vermeide Hunde, denen ihr beim Spaziergang begegnet und die euch anstarren, in die eigene Leine rennen, bellen, knurren, das Nackenfell aufstellen – also allgemein eher Unwohlsein aufzeigen. Beobachte stets die Körpersprache Deines Hundes, denn nicht jedes Spiel ist gutes Spiel. Du erziehst immer den Hund, den Du an der Leine führst. Sollte es zu bunt werden, liegt es in aller erster Linie an DIR, DEINEN Hund aus dieser Situation rauszuholen, anstatt auf die Reaktion Deines Gegenübers zu warten. Ermögliche Deinem Welpen Pausen und idealerweise sollte ein gutes Spiel nicht länger als 10-15 Minuten andauern. Dein Kleinhund darf sich natürlich auch zurückziehen. Sei Du dieser Rückzugsort. Wenn Du merkst, dass der Kleine sich um Deine Beine windet, blocke andere Hunde ab und ermögliche ihm die Ruhe, die er gerade zu brauchen scheint. Gerade die ersten Lebenswochen und -monate sind sehr prägend für das weitere Leben Deines Hundes. Vermeide negative Erfahrungen und breche lieber einmal zu viel einen Hundekontakt ab als dass es dann zu spät ist und Dein Hund schlimmstenfalls gebissen wurde.
Der Fokus sollte nicht nur auf Tricks wie „Sitz“, „Platz“ oder „Pfötchen geben“ liegen. Hier sind ein paar Dinge, die Du Deinem Welpen wirklich beibringen solltest.
Name lernen. Mein Hund heißt „Leaf“. Die ersten Wochen haben wir damit verbracht, ihr überhaupt beizubringen, wie sie heißt, um die Grundlage für einen stabilen Rückruf zu schaffen.
Orientierung am Menschen. Dein Welpe sollte auch draußen, wo viele Ablenkungen sind, von Anfang an lernen, dass es sich lohnt, mit dem Kopf bei Dir zu sein.
Rückruf spielerisch aufbauen. Am Anfang ist es noch ein Spiel, aber auch aus einem kleinen Welpen wird irgendwann ein erwachsener (großer) Hund, der, wenn er freilaufen möchte, einen zuverlässigen Rückruf benötigt.
Leinenhandling. An der Leine wird nicht gezogen, es wird nicht in sie reingebissen und an der Leine wird nicht gespielt. Sie ist ein Hilfsmittel, keine Bestrafung und, je stärker und positiver Eure Bindung ist, desto kleiner ist das Problem mit ihr.
Kooperation. Dein Welpe möchte nicht ins Auto hüpfen? Gar kein Problem. Findet Kompromisse, die Euch dabei helfen, an ein gemeinsames Ziel zu gelangen.
Tauschen statt Wegnehmen. Du hast aber einen tollen Ball, darf ich ihn haben, um ihn dir nochmal durch den Garten zu kullern? Nein? Schau mal, hier habe ich ein Leckerli. Das bekommst du, wenn du mir den Ball freiwillig gibst. Hinter dem Hund herzurennen wird von ihm nur als erweitertes Spiel wahrgenommen und die Bereitschaft, einen Ball/Spielzeug abzugeben, wird dadurch nicht größer.
Frust aushalten. Ja, die Nachbarskatze, die sich auf der Straße räkelt ist super spannend und Dein Welpe möchte sie unbedingt näher kennenlernen. Bleibe stehen. Lass Deinen Hund beobachten. Erst, wenn sich die Neugier langsam verflüchtigt und der letzte Fiepser gefiepst wurde, geht ihr weiter. Nennt sich Frustrationstoleranz – Deine wird sich dadurch auch enorm erweitern.
Ruhe lernen. Drinnenzeit = Ruhezeit. Nein, in der Küche wird nicht gespielt. Im Wohnzimmer auch nicht. Geht die Haustüre hinter euch zu, ist Schlafen und Verarbeiten angesagt. Sollte es Deinem Hund schwerfallen runterzufahren, nimm Dir gerne eine Hausleine zur Hilfe.
Kurze Trennungen vorbereiten. Die Haustür geht kurz zu und nach 2 Minuten wird sie direkt wieder geöffnet. Du vermittelst Deinem Hund bereits in den ersten Wochen schrittweise und langsam, dass Du ab und zu mal gehst, aber auch immer wiederkommen wirst.
Grenzen freundlich und verständlich vermitteln. Nein, Dein Welpe darf Dir natürlich nicht auf die Küchenanrichte hüpfen, um Dir den Käse vom Brot zu klauen. Leite ihn freundlich ins Nachbarzimmer oder lege einen Platz fest, an dem er sich aufhalten darf, während Du andere spannende Dinge tust, wie bspw. ein Brot schmieren.
Das soll es jetzt erstmal von mir gewesen sein. Ich hoffe mein Beitrag hat Dir gefallen. Solltest Du noch Fragen oder Anmerkungen haben, melde Dich jederzeit gerne bei mir.
Bis ganz bald!
Eure Pilar von Pfotenphilosophie